Drei russische Großfürstinnen in Russland

Das Königreich Württemberg pflegte zu Russland durch die Vermählungen der russischen Großfürstinnen Katharina mit dem späteren König Wilhelm I und der Großfürstin Olga mit dessen Sohn Karl sowie der Großfürstin Wera mit Herzog Eugen eine besondere Verbindung. Die Vermählungen wurden von beiden Ländern aufgrund politischen Kalküls initiiert, das sich jedoch nicht ganz so entwickeln sollte, wie Württemberg es sch erhofft hatte: Die geplante Strategie, Württemberg politisch zu stärken und mehr Mitspracherecht bei gesamtpolitischen Entscheidungen zu erzielen, wurde jedenfalls so nicht erfüllt. Dafür profitierte Württemberg von dem großen sozialen Engagement, mit dem sich die russischen Großfürstinnen ins Königreich einbrachten.

Eine Trilogie der besonderen Art

Petra Durst-Benning hat sich intensiv mit dem Leben dieser drei herausragenden russisch-württembergischen Frauenpersönlichkeiten beschäftigt:

Das Leben von Großfürstin Katharina zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch „Die Zuckerbäckerin". In „Die Zarentochter" werden die Jugendjahre der Großfürstin Olga bis hin zu ihrer Heirat mit Kronprinz Karl beschrieben. In „Die russische Herzogin" wird Olgas und Weras Lebensweg in Stuttgart weiter nachgezeichnet.
Obwohl "Die Zuckerbäckerin" als historischer Roman für sich alleine steht, ist es im weitesten Sinne durchaus möglich, alle drei Romane als russisch-württembergische Trilogie zu bezeichnen.

Katharina Pawlowna, russische Großfürstin und Königin von Württemberg

Katharina blieb auch nach ihrer Hochzeit beim russisch-orthodoxen Glauben. Die Grabkapelle auf dem Rotenberg ist die erste russische Kirche in Stuttgart, bis heute werden hier am Pfingstmontag Gottesdienste abgehalten.
Königin Katharina nutzte ihre familiäre Bindung und ihren Reichtum auch dazu, der württembergischen Bevölkerung während der Missernten und der Hungersnot hilfreich zur Seite zu stehen. Sie ermöglichte vielen Württembergern in Russland eine neue Heimat zu finden und gründete viele wohltätige Institutionen, die sie teils auch mit ihrem eigenen Privatvermögen finanziert. Zusammen mit König Wilhelm rief sie außerdem das bis heute existente Volksfest auf dem Cannstatter Wasen ins Leben, um die Verdienste der Bauern nach den überstandenen Hungersnöten zu feiern.

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Olga Nikolaewna Romanow, russische Großfürstin und Königin von Württemberg

Mit der Heirat der Zarentochter Olga Nikolawejna Romanow und dem württembergischen Kronprinzen Karl im Jahr 1846 werden die Beziehungen beider Länder noch enger geknüpft. Auch Olga ist eine große Wohltäterin, der das Land viele Institutionen zu verdanken hat, die bis zum heutigen Tag bestehen: Das Kinderkrankenhaus Olgahospital, die Nikolauspflege, das Karl-Olga-Krankenhaus und vieles mehr.
Königin Olga war bei der württembergischen Bevölkerung überaus beliebt. Man war stolz auf die hochwohlgeborene Königin, bewunderte ihre elegante Erscheinung und dankte ihr für ihr unermüdliches soziales Engagement.

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Wera Konstantinova, russische Großfürstin und Herzogin von Württemberg

Die kinderlose Königin Olga adoptierte im Jahr 1871 Wera Konstantinova – die Tochter ihres Bruders Konstantin. Mit viel Engagement und Liebe gelang es Olga, aus dem unglücklichen Mädchen Wera eine selbstbewusste junge Frau zu machen. Sie heiratete im Jahr 1874 den württembergischen Herzog Eugen. Im Laufe ihres Lebens unterstützte Wera über 30 wohltätige Organisationen. Als ihr großes Vermächtnis gelten die Wera-Heime für unverheiratete Mütter mit Kind. Durch ihr Engagement wurde außerdem eine russisch-orthodoxe Kirche – die Sankt Nikolaus Kathedrale – in Stuttgart gebaut.

 

 

 

 

"Der Amethyst ist der Stein der Phantasie", sagte Olga zu Wera. "Dieses Collier ist also wie gemacht für dich. Da, ich schenke es Dir!"

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