Herzogin Wera und ihre Liebe zur Literatur

Herzogin Wera schrieb nicht nur selbst sehr viele Gedichte (die schönsten davon können Sie sich auf der Startseite unter der Rubrik "Gedichte" kostenlos downloaden). Sie war auch eine große Bewunderung der schwäbischen Heimatdichter sowie eine eifrige Leserin. Ihre Bibliothek war sehr umfangreich, Petra Durst-Benning ist besonders stolz darauf, ein Buch von Herzogin Wera (auf einer der Vorblattseiten mit dem herzöglichen Ex Libris versehen!) zu besitzen, es trägt den Titel "Aus den Memoiren eines Hofschauspielers".

Petra Durst-Benning: "Gedichte lesen hat etwas ungemein Beruhigendes. Es ist erstaunlich, wie viele namhafte Dichter das kleine Land Württemberg aufzuweisen hat."

Wilhelm Hauff

Wilhelm Hauff (1802-1827) gehört zu den bekanntensten deutschen Schriftstellern der Romanik. Er gehörte der Schwäbischen Dichterschule an. Obwohl ihm nur eine kurze Zeit des Schaffens vergönnt war, gelang es ihm vor allem durch seine Märchen und Sagen wie "Kalif Storch" und "Der kleine Muck" unsterblich zu werden.
Zuerst studierte Wilhelm Hauff in Tübingen Theologie und Philosophie. Er hatte jedoch keine Ambitionen auf eine Pfarramtsstelle, sondern suchte sich eine Anstellung als Hauslehrer in Stuttgart. Diese ließ ihm genügend Freiraum, sodass er sich immer mehr seinen schriftstellerischen Neigungen widmen konnte.
Seine Werke sorgten von Beginn an für großen Anklang. Wilhelm Hauff beendete von daher recht bald sein Arbeitsverhältnis als Hauslehrer und begab sich stattdessen auf Bildungsreise in Richtung Frankreich. In dieser Zeit entstand sein zweite Märchenalmanach und die „Controvers-Predigt über H. Clauren".
Nachdem er  außerdem noch verschiedene deutsche Städte besucht hatte, kehrte Hauff nach Stuttgart zurück, um Redakteur des Stuttgarter Verlegers Cotta zu werden. Wilhelm Hauff erkrankte an Nervenfieber und starb vor seinem 25. Geburtstag.

Morgenrot
Leuchtest mir zum frühen Tod?

Bald wird die Trompete blasen.

Dann muß ich mein Leben lassen.

Ich und mancher Kamerad!

Kaum gedacht,

War der Lust ein End´gemacht,

Gestern noch auf stolzen Rossen,

Heute durch die Brust geschossen,

Morgen in das kühle Grab!

Wilhelm Hauff, aus dem Jahr 1824

Eduard Mörike

Eduard Mörike (1804-1875) war Dichter, Übersetzer, Erzähler und evangelischer Pfarrer. Wie Wilhelm Hauff gehörte acher der Schwäbischen Dichterschule an.
Als siebentes von insgesamt dreizehn Kindern geboren, wurde Mörike nach dem Tod des Vaters von einem Onkel aufgenommen und es wurde beschlossen, dass Mörike eine geistliche Laufbahn einschlagen sollte. Zuerst wurde er ins evangelisch-theologischen Seminar in Urach geschickt, später besuchte er das Tübinger Stift.
In jungen Jahren verliebte er sich heftig in die Kellnerin Maria Meyer. Diese Begegnung verarbeitet er in Gedichtszyklen und im Roman „Maler Nolten".
Da sich Mörike jedoch dem Druck, von seiner Arbeit als Schriftsteller leben zu müssen, anfänglich nicht gewachsen fühlte, nahm er eine Pfarrstelle in Cleversulzbach an. Glücklich wurde er in diesem Beruf jedoch nicht - er ließ sich mit 39 Jahren pensionieren. Mörike heiratete die Pfarrertochter Margarethe von Speeth und war als Literaturlehrer am Königin-Katharina-Stift tätig. In dieser Zeit entstand die Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag" und „Das Stuttgarter Hutzelmännlein".

Mörike war seiner Heimat sehr verbunden und verbrachte die letzten Lebensjahre in Lorch, Nürtingen und Jebenhausen. In dieser Zeit entstanden allerdings keine großen Werke mehr.

Er ist's
Frühling läßt sein blaues Band

wieder flattern durch die Lüfte;

süße, wohlbekannte Düfte

streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,

wollen balde kommen.

Horch, von fern ein leiser Harfenton!

Frühling, ja du bist's!

Dich hab`ich vernommen.

Eduard Mörike

Gustav Schwab

Gustav Schwab (1792 – 1850) war Pfarrer, Schriftsteller und Dichter. Auch er gehörte der Schwäbischen Dichterschule an.
Schwabs Eltern gehörten zum Bildungsbürgertum und ermöglichten dem Sohn den Besuch des Stuttgarter Gymnasiums. Danach studierte er in Tübingen zuerst Philologie und Philosophie, anschließend Theologie. Gustav Schwab war als Gymnasiallehrer in Stuttgart tätig und wirkte lange Zeit bei den „Blättern für literarische Unterhaltung" bei den F.A. Brockhaus Leipzig mit. Diese Aufgabe ermöglichte es ihm, junge schwäbische Autoren als Mäzen zu beraten und zu unterstützen.
Später nahm er eine Pfarrstelle in Gomaringen an, um neben dem Schreiben, dem Predigen, einer weiteren Lieblingstätigkeit, nachkommen zu können. Der Weg des Pfarrers führte ihn dann nach Stuttgart, wo er zuerst das Stadtpfarramt in Stuttgart übernahm. Ein Jahr später wurde er zum Dekan ernannt und bald darauf wurde er Oberkonsistorialrat der höheren Schulen in Württemberg.

Zuneigung

In das gelobte Land der Liebe

Hab' ich nur einen Blick gethan:

Drum, ob ich tausend Lieder schriebe,

Sind sie nur alle Traum und Wahn.

 

Ich selbst weiß nicht, was ich gesungen

Von Liebeslust und Liebeslicht;

Es floh mir stammelnd von der Zungen,

Was ich gepriesen, ward mir nicht.

Doch du betratst die sel'gen Gränzen,

Nimm! - Lieb' um Liebe wurde dir;

Du kannst entziffern und ergänzen:

Enträts'le meine Lieder mir!

Gustav Schwab

 

Ludwig Uhland

Ludwig Uhland (1787 – 1862) war Literaturwissenschaftler und Dichter, Politiker und Jurist, Er legte außerdem die Grundsteine für die Schwäbischen Dichterschule.
Uhland stammte aus einer Gelehrtenfamilie, besuchte die Tübinger Lateinschule und war eher ein wortkarger Mensch. Am Tübinger Stift studierte er Philosophie und Rechtswissenschaften und promovierte zum Doktor der Rechtswissenschaften. Auf Bestreben seines Vaters studierte er außerdem noch in Paris. Nach seiner Rückkehr nach Tübingen eröffnete er eine Anwaltskanzlei. Mit Freunden wanderte er durch Schwaben und während dieser Zeit entstand sein bekanntes Gedicht „Frühlingsglaube". Bald darauf gab Uhland die Kanzlei auf und ging nach Stuttgart als zweiter Sekretär des württembergischen Justizministers, obwohl diese Tätigkeit nicht bezahlt wurde. Sein Ziel war es, Mitglied der Schattengesellschaft, ein Zusammenschluss junger Universitätsstudenten zu werden.
Uhland heirate Emilie Vischer. Nach langen Bemühungen erhielt er endlich den ersehnten Lehrstuhl und wurde in Tübingen zum Professor für deutsche Sprache und Literatur ernannt. Seine Begeisterung für die deutsche Sprache und Literatur ging auf seine Studenten über. Seine politischen Betätigungen als Abgeordneter im württembergischen Parlament waren dagegen eher von kurzer Dauer. Ludwig Uhland kam nach Tübingen zurück, wo er wieder als Privatlehrer tätig wurde, um sich seinen wissenschaftlichen Studien widmen zu können.

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,

Sie säuseln und weben Tag und Nacht,

Sie schaffen an allen Enden.

O frischer Duft, o neuer Klang!

Nun, armes Herze, sei nicht bang!

Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,

Man weiß nicht, was noch werden mag,

Das Blühen will nicht enden.

Es blüht das fernste, tiefste Tal:

Nun, armes Herz, vergiß der Qual!

Nun muß sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland

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